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Zuckersucht
Wissen
Sie, dass Alkohol eine Droge ist?
Blöde
Frage.
Wissen
Sie, dass Tabak eine Droge ist?
Blöde
Frage.
Wissen
Sie, dass Zucker eine Droge ist?
Vielleicht
keine blöde Frage. |
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Jedes neue Nahrungsmittel würde wahrscheinlich sofort
verboten, hätte es auch nur die Hälfte der
(Neben-)Wirkungen, wie sie Zucker aufweist.
| Ich
bin zuckersüchtig |
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Ich
bin zuckersüchtig und war fast 50 Jahre lang
Zuckermissbraucherin
(ja, das Wort gibt es!),
bevor ich 2005 mit Zucker ganz aufgehört habe.
Warum
schreibe ich offen über dieses Thema hier auf meiner
Firmenwebsite?
Weil
Zucker für eine Dozentin keine Privatsache ist. In den
Sprachkursen werden viele Süßigkeiten und
Kuchen
gegessen – sowohl ich als auch meine KursteilnehmerInnen
haben
vorher immer viel mitgebracht, um schwedische Spezialitäten
vorzuzeigen, um etwas zu feiern oder einfach um zu genießen.
Häufig habe ich auch Süßigkeiten oder
Kuchen von
meinen TeilnehmerInnen als Geschenk bekommen. Deswegen möchte
ich hier erklären, warum ich in den Kursen nicht mehr mitessen
kann und nichts, was Zucker enthält, geschenkt bekommen
möchte.
Über
die Tatsache, dass ich Kuchen und Süßigkeiten
missbraucht
habe, habe ich natürlich gewusst und habe damit immer gelebt
und
gekämpft, aber vor 2005 wusste ich nicht, dass dies
einen
Namen hat und eine Sucht wie jede andere ist. In den
Sommerferien 2005 habe ich in einer Buchhandlung in Stockholm ein
Buch mit einem Stück Prinzesstorte auf dem Umschlag
gesehen. Auf der Vorderseite stand: „Werde
Deine Zuckersucht los“ und
auf der Rückseite stand: „Versteckst Du
Süßigkeiten?
Lügst Du wenn es um Deinen Zuckerverbrauch geht, oder
verheimlichst Du ihn? Leidest Du von
Stimmungsschwankungen, Schlafstörungen oder
Gewichtsschwankungen?“ In
diesem Moment liefen schon die Tränen so, dass ich kaum weiter
lesen
konnte.
Das Buch heißt
„Sockerbomben“ (auf Deutsch „Zucker,
nein
danke!“).

In
Deutschland
ist Zuckersucht offenbar noch nicht so allgemein bekannt, in
Schweden wird heutzutage viel mehr darüber gesprochen. Als
ich mit dem Wort „Zuckersucht“
und dem Symptombild konfrontiert wurde, hat alles
zusammengepasst. Endlich hatte ich einen Namen für die vielen
Schmerzen und Seltsamkeiten, sowohl körperlich als auch mental
und geistig, die die letzten Jahre zugenommen hatten und die ich nie
vorher in den Griff bekommen hatte. Ich bin sogar zum Arzt gegangen,
ohne eine Erklärung für meine Beschwerden zu
bekommen. Nun
hatte ich auf einmal ein Werkzeug, womit ich das Problem anpacken
konnte.
| Zucker
wirkt wie jede andere Droge |
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Wer
jetzt denkt, dass eine zuckersüchtige Person halt nur ein
Schleckermaul ist und dass dies nicht so ernst ist, irrt sich leider
gewaltig. Es geht nämlich hier um dieselben Stoffe (die
Signalsubstanzen) und dieselben Prozesse im
Gehirn, die
bei jeder Sucht beteiligt sind, und deswegen funktionieren alle suchterzeugenden Drogen
mehr oder weniger auf derselben Art und Weise. Zucker beeinflusst
Versuchstiere auf derselben Art wie Morphium! (Ohne dies gewusst zu
haben, hatte ich selber schon seit langen meine
Abhängigkeit mit der
von einem Alkoholiker oder einem Drogensüchtigen verglichen.)
Ebenso wenig wie ein Alkoholiker „nur ein bisschen“
Alkohol
trinken kann oder ein Heroinabhängiger „nur ein
paar“ Spritzen nehmen
kann, kann ein Zuckersüchtiger „nur ein
bisschen“ Zucker
essen. Wer damit angefangen hat, kann nicht aufhören. Die
Droge wird
zum Allerwichtigsten im Leben und man will sie so intensiv und
kompromisslos haben, dass alles Andere unwichtig wird, sogar die
Arbeit, die Freunde oder ein abgemachter Termin. Dies ist also der
Unterschied zwischen Sucht und Nicht-Sucht – der
Süchtige ist
Sklave der Droge, die Droge ist der Herrscher im Leben des
Süchtigen. Es ist weit entfernt vom Gefühl
„jetzt habe
ich Lust auf etwas Süßes“. Ein
Süchtiger kann auch
nicht geheilt werden, sondern muss einfach
lernen, ohne seine
Droge zu leben.

Ich
bin übrigens
„Periodenschwelgerin“
gewesen, ich habe in Perioden geschwelgt und in Perioden sehr gesund
gelebt. Wie ein Leben in einer ewigen Achterbahn in Essen, Gewicht
(bis zu 20 Kilo hinauf und hinab in einem ewigen Kreislauf), Laune,
Energie, Gesundheit und Leistungsfähigkeit.
Ebenso
wenig wie alle, die Alkohol trinken, Alkoholiker
sind, sind alle Zuckeressenden zuckersüchtig. Aber Zucker ist
wirklich für keinen gesund. WHO (World Health Organization)
hat
einen Alarmbericht ausgegeben, dass wir in der Westwelt unseren
Zuckerverbrauch drastisch senken müssen, da Zucker direkt oder
indirekt eine lange Reihe von Krankheiten und Leiden verursacht.
| In
Schweden enthalten fast alle Lebensmittel Zucker |
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Die
letzten paar Jahre und insbesondere das letzte Jahr bevor ich mit
Zucker aufhörte, ist es mir sehr schlecht gegangen,
körperlich
und geistig, bis der Körper im Sommer 2005 schließlich
revoltierte und ich unheimlich krank wurde. Mehrmals ist der Gedanke
gekommen: „Ich fresse mich zu Tode.“ Das erste Mal
in
meinem Leben hatte ich ernsthaft überlegt, mit
Süßigkeiten und Kuchen aufzuhören. Aber das
hätte
ja gar nicht geholfen! Und zwar eben weil ich nicht wusste, dass Zucker
das Schlüsselwort
war. Für mich ging
es nur um Süßigkeiten und Kuchen und
ich
hätte weiterhin andere Sachen gegessen und getrunken ohne
darüber zu reflektieren, dass sie Zucker enthalten. In
Schweden enthält auch normales Essen und Brot Zucker. In der
Tat verbirgt sich 85 % von
dem Zucker, den wir essen, in normalen Nahrungsmitteln. Eine Dose
Coca-Cola enthält z. B. dieselbe Menge an Zucker wie
13 Zuckerwürfel
und Ketchup enthält mehr Zucker als Schokolade!
(McDonald's und andere Fastfoodketten fügen Zucker dem
Essen hinzu, um Leute süchtig zu machen...) Aber nicht
nur Lebensmittel enthalten Zucker,
sondern auch Zahnpasta (!) und viele
Arzneimittel.

Statistisch
essen wir Schweden fast
ein Kilo raffinierten Zucker und ein Kilo Weizenmehl pro
Person und Woche. Der
durchschnittliche Schwede nimmt also in zehn Jahren nahe an eine halbe
Tonne Zucker zu sich, meistens ohne sich darüber Gedanken zu
machen. Ich traue mich nicht daran zu denken, wie viele Tonnen Zucker
ich in meinem Leben hinuntergeschluckt habe...
Sicherlich
ist es kein Zufall, dass die einzige Klinik für
Zuckersüchtige, die es in Europa gegeben hat, in Schweden lag. Aber der hohe
Zuckerverbrauch
gilt nicht nur für Schweden. Die Kinder und Jugend in
der
heutigen westlichen Welt haben oft schon
beim Frühstück 20
Mal den Tagesbedarf vom Zucker aufgenommen (Kakao,
Orangensaft, Flakes, Joghurt, Marmelade...) und in diesem Tempo geht es
am Rest des Tages weiter.
| Was
Zucker bei mir bewirkt hat |
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Was
hat denn Zucker bei mir bewirkt? Unglaublich viel. Allerdings
hatte ich ja meistens keine Ahnung davon, dass Zucker die
Ursache
war.
Einige Beispiele:
- extreme
Stimmungsschwankungen (das Dr. Jekyll und Mr. Hyde-Syndrom)
- Aggressivität,
Irritation
- Kopfschmerzen
- Schlaflosigkeit
- Schmerzen
überall im Körper
- ab
und zu Sehstörungen
- Herzklopfen
- Schwindel
- Konzentrationsprobleme
- Vergesslichkeit
- Haarausfall
- ständig
geschwollener Bauch
...und
viel mehr. Eigentlich ist es schwierig, eine Liste über die
Symptome aufzustellen, weil es in hohem Grad um eine
veränderte
Lebenseinstellung geht, die das ganze Leben beeinflusst:
Negativität, physische und psychische Erschöpfung,
schlechtes
Selbstwertgefühl,
Depression usw.
Wie
schon erwähnt war es das letzte Jahr mit
Zucker am
schlimmsten. Dann habe ich angefangen,
mich geradezu dement zu fühlen.
Oft habe ich z. B. vergessen, die Herdplatten nach dem Kochen
auszuschalten. Nachdem ich mit Zucker Schluss gemacht hatte, sind
solche Sachen
nie mehr geschehen und ich konnte nicht einmal begreifen, wie so etwas
hat passieren können. Und einmal wurde ich blind. Nachdem ich
einen Abend kiloweise Süßigkeiten
gegessen hatte, wurde es sekundenlang
pechschwarz - ich konnte nichts sehen und bin
zusammengefallen. Nach
einer Weile gelang es mir, aufzustehen, dann bin ich aber wieder
gefallen und konnte nur etappenweise zum Bett krabbeln.
| Ohne
Zucker, Kaffee und schnelle Kohlenhydrate geht es mir viel besser |
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Seit
2005 lebe ich also ohne Zucker und ich fühle mich wie ein
anderer
Mensch, in jeder Hinsicht. Es ist wunderschön, eine
für
andere ganz einfache und selbstverständliche
Sache tun zu können: Vom Sitzen
aufzustehen ohne schwindelig zu werden. Ganz zu schweigen davon, dass
ich nicht mehr Kleider in vier bis fünf
Größen im
Kleiderschrank haben muss...
Nie
mehr darf ich etwas essen, was Zucker enthält.
Das gilt für alle raffinierten Lebensmittel, also auch
Weizenmehl, sowie Süßungsmittel
und Honig (was süß schmeckt, löst in uns
Zuckersüchtigen dieselben Reaktionen wie
Zucker im Gehirn aus). Früchte soll ich auf zwei
Stück pro Tag
maximieren und sehr süßes Obst, wie
Weintrauben, vermeiden. Auf Alkohol und Kaffee muss
ich verzichten. (Alkohol ist der am stärksten
raffinierten Zucker, den es gibt.) Nichts
Suchterzeugendes (eine Sucht führt oft zu einer
anderen), nichts
Zentralstimulierendes, keine schnellen Kohlenhydrate. Kaffee und
Kuchen sind für mich jetzt doppelt Gift und
Droge.
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Streng
genommen gibt es nur zwei Sachen, die ich uneingeschränkt
und ohne Nachwirkungen essen und zwei Sachen die ich trinken
kann:
Gemüse und vegetarisches „Fleisch“
(Tofu, Soja etc. - ich bin Vegetarierin),
sowie Wasser und Tee (außer Schwarztee,
der zu viel Koffein enthält). Zuckerfreie Säfte
sind nicht empfehlenswert einfach deswegen, weil ich maximal zwei
Früchte pro Tag essen soll und ein Stück Obst mehr
Vitamine
und Minerale enthält als der gepresste Fruchtsaft. Außerdem
enthalten zuckerfreie Getränke fast immer Süßungsmittel.
Ein
paar Mal als ich es sehr eilig hatte und Riesenhunger hatte,
habe ich doch eine
Pizza aus Weizenmehl gegessen, aber das geht nicht ohne Nachwirkungen.
Einmal
habe ich zum Mittagessen eine
ganze Banane auf eine Pizza gelegt, und
das war offenbar über die Grenze. Nach ein paar Stunden war
ich
wie niedergeschlagen, musste mich hinlegen und konnte den ganzen Tag
nicht
mehr aufstehen. „Gekeult“
nenne ich diesen Zustand, also „wie
mit einer Keule zusammengeschlagen“. Früher
ein häufiger Zustand, seit 2005 habe ich ihn nur
dieses eine Mal erlebt.
Wenn Nahrungsmitteln oder Getränke unerwartet Zucker enthalten, spüre ich dies nunmehr sofort. Z.
B. habe ich einmal gekauftes Wasser mit ein wenig Orangengeschmack
getrunken, und nach einem einzigen Schluck (!) schwoll der Bauch so an,
als ob ich im sechsten Monat war. Und jawohl, als ich das
Inhaltsverzeichnis auf dem Etikett genau durchgelesen habe,
stand kleingedruckt "Zucker" da.
Da ich bereits
Vegetarierin bin, ist meine Kost jetzt ziemlich eingeschränkt: keine
Tiere, kein Zucker, keine Süßstoffe, recht wenig Obst, keine
raffinierten Lebensmitteln, kein Essen mit schnellen Kohlenhydraten,
kein Alkohol, kein Kaffee, kein Schwarztee. Zu Hause geht es ziemlich
gut aber sobald ich von Hause weg bin, wird es schwierig: Im
Restaurants oder bei Freunden zu essen, auf eine Party zu gehen, zu
reisen... Solange ich zu Hause bin, vermisse ich eigentlich all das
nicht, was ich nicht mehr essen und trinken kann, es wird nur ein
bisschen langweilig. Unter Menschen ist es schlimmer. Wenn ich irgendwo
vorbeilaufe, wo es nach Kaffee und Zimtschnecken riecht, muss ich die
Nase zuhalten; es ist eine Qual, am selben Tisch zu sitzen wie Leute,
die Torte essen; wenn ich jemanden sehe, der Eis isst, schaue ich weg;
wenn die Person neben mir in der U-Bahn anfängt, Süßigkeiten zu essen,
suche ich mir einen neuen Platz aus. Im Sommer 2007 habe ich außerdem
entdeckt, dass es mir noch besser geht, wenn ich auf jede Form von
Brot, Frühstücksflocken und Milchprodukten verzichte, und dann
wird die Auswahl natürlich noch kleiner.
Lesetipps
Einige
Bücher auf Deutsch über Zucker:
 |
„Zucker, nein danke!“
von Bitten Jonsson
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 |
„Das Zucker-Buch.
Süßer Genuß und bittere Folgen“
von Werner Pieper
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 |
„Die Zuckerfalle“ von
Klaus Oberbeil
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 |
„Zucker - der
süße Verführer. Alles Wissenswerte und
praktische Gesundheitstipps“ von Franz Binder und Josef Wahler
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 |
„Der neue
Zucker-Knacker“ von H. Leighton Steward
|
 |
„Zucker,
Zucker...“ von Max O. Bruker
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